• Kavitha Rasch

Der Berg ruft: "Weg mit dem Müll!"

Aktualisiert: März 1

Namche Bazar Everest View-Point, Himalaya - Gipfel des Ama Dablam, rechts und Mount Everest, links

Ein Schwede hat den Ruf gehört und vorbildlich reagiert. Auf einer unserer wohl körperlich herausforderndsten Reisen des Lebens haben wir im Gebirge des Himalayas Tommy Gustafsson kennengelernt, der seit Jahren in Namche Bazar bei seiner nepalesischen Ehefrau lebt. Tommy hat einem besonderen Projekt auf die Beine geholfen, dass ganz im Sinne meines Kinderbuches „Club der Wildmüllhasen“ den Müll fremder Menschen einsammelt.


Unter dem Begriff #sargamathanext wurde „Carry me back“ zu einem interaktiven Erlebnis für Touristen, die Gutes tun möchten.

Faszination Mount Everest


Die Khumbu-Region wird traditionell von den Sherpas bewohnt, die aus Tibet eingewandert sind vor etwa 500 Jahren und dort sesshaft wurden. Seit 1960 ist diese Region rund um den Mount Everest, dem höchsten Berg der Welt (8848m), immer mehr zu einem beliebten Reiseziel geworden.


Anfang der Siebziger lag der Anteil der Touristen noch bei rund 2000 Personen pro Jahr. Heute sind es in den beliebten Regionen „Khumbu, Annapurna und Mustang“ schon 38.000 Touristen pro Jahr. Man muss kein Reinhold Messner mehr sein, um so eine Reise im Reisebüro buchen zu können. Wanderreisen erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit. Was soll ich sagen, 2019 waren wir auch zwei von diesen Touristen und wanderten 15 Tage lang ab Lukla Airport mühsam auf und ab durch die Khumbu-Region. Highlights der Tour mit Nepalwelt-Trekking waren „Gokyo Ri, Kalar Pattar und das Everest Base Camp“. Letzteres ersetzten wir auf unserer Route kurzfristig durch das „Ama Dablam Base Camp“, da es optisch mehr zu bieten hat und weniger überlaufen ist.


Zwischen den überdimensionierten Bergpanoramen zu wandern, die einem deutlich machen, wie klein wir Menschen sind auf diesem Planeten, ist ein besonderes Erlebnis, das ich sicher nie vergessen werde. Nirgendwo auf der Welt kann man so weit oben am Himmel noch Gipfelspitzen sehen. Nicht umsonst trägt der Mount Everest den Namen „Dach der Welt“. Die vielen hohen Hängebrücken mit zahlreichen bunten Gebetstüchern am Geländer, türkise Flüsse, unterschiedliche Wälder, Stupas und in Felsen gemeißelte Mantras erinnern an eine heilige Fabelwelt. Das lässt einen die spartanischen (kalten) Nächte, die kargen Bedingungen vor Ort ohne Duschen, dünne, trockene Luft und die tägliche stundenlange Anstrengung wieder vergessen – rückblickend betrachtet. Ich sage nur: In 15 Tagen haben wir gute 4kg abgenommen trotz rundum guter Verpflegung.


Bevor es für uns in Lukla wieder ins Flugzeug Richtung Kathmandu ging, belohnten wir uns, die Guides und die fleißigen Porter beim Abschiedsessen mit nepalesischem Bier: „Everest Premium Lager“ und „Khumbu Kölsch“. (Übrigens das einzige Kölsch, was ich als Düsseldorferin getrost befürworten kann :-)



Die wohl höchste Müllkippe der Welt


Yak's essen den Müll im Ama Dablam Base Camp (4600 Höhenmeter)

Nicht nur die Touristen wurden mehr, sondern auch der Müll. Lebensmittel, alltägliche Gebrauchsgegenstände, Getränke und vieles mehr werden zu Fuß von den Nepalesen in die Berge gebracht und in den Dörfern verteilt. Besonders dort, wo Touristen übernachten und sich für den weiteren Anstieg mit neuen Lebensmitteln ausstatten oder beim Abstieg mit Souvenirs.



Sargamatha National Park

Teilweise transportieren die Einheimischen so bis zu 100kg auf dem Rücken. Alles ist auf kleine Körbchen verteilt oder in zusammengebundenen Kartons gestapelt. In der Hand halten sie einen 50cm kleinen Gehstock, der ihnen das nach vorne gebeugte Gehen erleichtert – steil bergauf und steil bergab wohlgemerkt.




Tommy Gustafsson

Hier kommt das Projekt von Tommy Gustafsson ins Spiel:


Der Rückweg der bekannten Wanderroute führt ebenfalls durch den Ort Namche Bazar. Dort befinden sich an einem zentral gelegenen Sammelplatz von „Carry me back“ Zelte voll mit Müll. Der Müll ist von freiwilligen Helfern aus den Bergen dorthin getragen worden und in wiederverwendbare 500g Päckchen verpackt worden. Alte Rucksackbänder halten die Päckchen per Klickverschluss zusammen und erleichtern die Befestigung am eigenen Wandergepäck. Touristen können so viele Päckchen mitnehmen, wie sie tragen können.





Die letzten zwei Tage wanderte unsere Gruppe inklusive des Guides voll bepackt wieder zurück nach Lukla. Dort gab es am Flughafen eine Drop-off-Station, wo wir alle Päckchen hinterlegen konnten.



Wenn genügend Päckchen da sind, wird alles bei nicht voll beladenen Flugzeugen im Frachtraum verpackt und zurück nach Kathmandu gebracht, wo es recycelt und entsorgt wird.






Warm eingepackt am Startplatz in Namche Bazar (3400 Höhenmeter)

Geplant ist es, dass das ohnehin schon auf 14kg befristete Wandergepäck von den Touristen auf den Flügen nach Lukla um weitere zwei Kilo reduziert wird, damit im Frachtraum noch mehr Platz für den Müll ist und sich weniger Müll in den Bergen anstaut.


Eine ganz andere Hausnummer ist der Müll in der Todeszone


Jene, die den Mount Everest bezwingen (wollen), hinterlassen zwischen Basislager und Todeszone ebenfalls Müll. Laut einem BBC Bericht, sollen rund 35 Tonnen Müll vom Mount Everest sowie fünf anderen Gipfeln des Himalayas gebracht werden. Neben leeren Sauerstoffflaschen, Zeltresten, Seilen und Verpackungsmüll, zurückgelassenen Kotbeuteln, sollen nach Möglichkeit auch die Leichen jener Bergsteigerinnen und Bergsteiger geborgen werden, die bei Auf- oder Abstieg ums Leben kamen. Die nepalesische Regierung versucht schon seit Jahren mit mäßigem Erfolg dieses Müllproblem in den Griff zu bekommen.


Nun sollen Soldaten zum Frühjahrsputz ausrücken. Diese höchst gefährliche Idee wird von den Sherpas mit Todeszonen-Erfahrung stark kritisiert. Alles oberhalb von 7.000 Metern wird als Todeszone bezeichnet. Das ist die ungefähre Grenze, ab der ein optimal akklimatisierter Mensch sich auch ohne weitere körperliche Anstrengungen nicht mehr regenerieren kann. Das Blut kann die Zellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen.


Eine bessere Idee ist es, die Anzahl der Besucher zu reduzieren. Künftig sollen höchstens 150 Leute pro Tag den Berg besteigen dürfen. Darüber hinaus wird die Gebühr für eine Kletter-Genehmigung von 11.000 US-Dollar auf 35.000 US-Dollar erhöht. Zusätzlich muss nachgewiesen werden, dass vorab mindestens ein Berg mit 6.500 Höhenmetern erklungen wurde. Die Staus am Gipfel sind oft die Folge von unerfahrenen Bergsteigern, die wohlhabend genug sind, sich dieses Erlebnis ohne große Vorkenntnis "zu kaufen".


Seit der Erstbesteigung 1953 haben mehr als 5.000 Männer und Frauen den Everest erklommen. Nur ca. 100 Menschen davon haben die Besteigung des Mount Everest bisher ohne zusätzlichen Sauerstoff geschafft. Eine körperliche Seltenheit. In aller Regel wird von touristischen Bergsteigern oberhalb von 7500 Metern Flaschensauerstoff verwendet, zwischen 1,5 und 2,5 Liter pro Minute - das entspricht 2 Flaschen in 24 Stunden. Mehr als 300 dieser Bergsteiger kamen bisher dabei ums Leben.





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